Im Rahmen der Kulturgespräche im Roten Salon wurden 01.02.2012 die Antworten der OB-Kandidaten zur Diskussion gestellt:
Antworten G. Seitz:
1. Was schätzen Sie an zeitgenössischer Kunst?
Wie Künstler auf das Zeitgeschehen reagieren, Interaktionen durch persönliche Beziehung, v.a. bei offener Gesellschaft.
2. Wie sehen Sie die Zukunft des Kesselhauses?
Ich sehe derzeit keine Alternative für die Zukunft des Kesselhauses. Man muss dem BBK für die Nutzung dankbar sein, denn Nutzung ist allemal besser als Leerstand. Ideal ist das Kesselhaus für experimentell arbeitende Künstler.
3. Welche Ausstellung in Bamberg hat Sie 2011 besonders beeindruckt?
Die Totentanz-Ausstellung im Diözesanmuseum und natürlich die Ausstellung im Sektionssaal der Pathologie am Karfreitag mit fast 2.000 Besuchern in 28 Stunden!
4. Finden Sie die Kunstvermittlung an den Bamberger Museen als ausreichend?
Leider nein, unser Problem: Ausstellungen, die Führungen lohnen, sind viel zu selten.
5. Was halten Sie vom Bamberger Pilotprojekt Kultur.Klassen?
Super Sache! – Schwellenangst für Kunst nehmen, da Kunst allgemein als „hoch – teuer und weit weg“ angesehen wird. Es geht hier auch um Wertevermittlung: Eine Druckgrafik eines Bamberger Künstlers ist weit mehr wert als ein Kunstdruck von Picasso.
6. Warum sollten die Kulturschaffenden in Bamberg Sie zum Oberbürgermeister wählen?
Ich mag keine Selbstbeweihräucherung. Sie sollten hierzu die Einrichtungen und Kulturschaffenden fragen, die ich unterstütze.
7. Bamberg und der Sektor Kulturwirtschaft – kann sich aus Ihrer Sicht Bamberg innerhalb der Metropolregion Nürnberg damit profilieren?
Ja, aber wir müssen dafür natürlich auch etwas tun. Bamberg als Weltkulturerbe bietet sich geradezu an, den historischen Gebäuden mit Kultur modernes Leben einzuhauchen.
8. Welche Nutzung schlagen Sie für das alte Hallenbad vor?
Mein Wunsch: Zusammenführung von Menschen mit Visionen, um so um die beste Lösung zu ringen. Auf eine zukünftige Nutzung bin ich bisher nicht festgelegt, ein Museum für moderne Kunst halte ich eher für problematisch, hier ist schon seit 6 Jahren nichts geschehen!
9. Wie wollen Sie Bamberg-Ost kulturell aufwerten?
Wie in der Innenstadt braucht Bamberg-Ost auch Kunst im öffentlichen Raum, um so den Stadtteil aufzuwerten. Kunst im öffentlichen Raum bewirkt auch eine Änderung im Empfinden.
10. Welchen kulturellen Stellenwert haben die Bamberger Gärtner für Sie?
Die Bamberger Gärtner sind prägender Bestandteil in der Entwicklung und Geschichte der Stadt und deshalb für mich nicht wegzudenken.
Antworten A. Starke:
1. Was schätzen Sie an zeitgenössischer Kunst?
Zeitgenössische Kunst zeigt, dass unsere Kultur sich weiterentwickelt. Sie ist manchmal experimentell, oft humorvoll, vielfach kritisch und Teil unserer Gesellschaft. Sie geht weit über den kunsthistorischen Begriff der Kunst hinaus. Ich interessiere mich sehr dafür.
2. Wie sehen Sie die Zukunft des Kesselhauses?
Das Kesselhaus bietet ausgezeichnete Möglichkeiten zur Ausstellung von Kunst unterschiedlichster Form und Art. Ich finde es spannend, dass hier Kunstverein, Architekturtreff und der Berufsverband Bildender Künstler einen Raum geschaffen haben, wo Kunst wachsen und gezeigt werden kann. Was sie allein im vergangenen Jahr geschafft haben ist gewaltig. Und 2012 ist das Kesselhaus auch bereits ausgebucht. Derzeit haben die Vereine einen unbefristeten Vertrag mit der Stadt. Die Zukunft des Kesselhauses ist noch unsicher. Zunächst muss eine Machbarkeitsstudie zeigen, was dort möglich ist.
3. Welche Ausstellung in Bamberg hat Sie 2011 besonders beeindruckt?
Die Jahresausstellung der Lichtwerkstatt im November.
4. Finden Sie die Kunstvermittlung an den Bamberger Museen als ausreichend?
Die Bamberger Museen müssen sich deutlich mehr in der Öffentlichkeit präsentieren. Dafür ist schon viel geschehen in den letzten Monaten. Für den Domberg habe ich gemeinsam mit Staatsminister Heubisch eine Arbeitsgruppe initiiert, die Methoden entwickelt, um die gemeinsame Vermarktung der dort angesiedelten Institutionen deutlich zu verbessern. Ein erster Schritt wird die gemeinsame Dachmarke „Domberg“ sein, die über eine gemeinsame Internetseite und Broschüren vermittelt wird. Die Arbeit daran läuft. Im Frühsommer findet ein Workshop statt, an dem auch Bamberger Kulturschaffende teilnehmen werden. Einen museumspädagogischen- und didaktischen Schub wird es durch ein Seminar der bayerischen Landesstelle für nichtstaatliche Museen geben, das in Bamberg stattfindet.
Das Gärtner- und Häckermuseum wird im Rahmen der Landesgartenschau und unter Federführung des Zentrum Welterbe Bamberg auf völlig neue Füße gestellt.
Die Museen der Stadt Bamberg verzeichnen, seit die Öffentlichkeitsarbeit dort deutlich intensiviert wurde, beinahe eine Verdoppelung der Besucherzahlen. Aber ich bin überzeugt: Da geht noch was, insbesondere für die moderne Kunst ist „Luft nach oben“.
5. Was halten Sie vom Bamberger Pilotprojekt Kultur.Klassen?
Kultur.Klassen ist wegweisend und nicht umsonst ein staatlich gefördertes Pilotprojekt. Es hat übrigens schon viele Nachahmer gefunden. In Bamberg wird es ausgezeichnet angenommen. Die kunstübergreifenden Projekte überzeugen zudem auch die Schüler. Der Beweis, dass es funktioniert? Zum Beispiel Poetry Slam an der Hauptschule.
6. Warum sollten die Kulturschaffenden in Bamberg Sie zum Oberbürgermeister wählen?
Als Oberbürgermeister will ich ein Ansprechpartner für alle Kulturschaffenden sein. Ich bin bereit, um über jede Idee, jedes Vorhaben und jedes Projekt zu reden. Es ist für mich dabei eine Selbstverständlichkeit, immer konstruktiv mitzuarbeiten, um Lösungen zu erzielen.
Außerdem will ich die Ausstellungsmöglichkeiten für die Bamberger Kulturschaffenden verbessern. Dazu muss in den kommenden Jahren nach einer tragfähigen Realisierung gesucht werden. Mit Recht weisen die Kulturschaffenden darauf hin, dass geeignete Präsentationsflächen fehlen.
Meine Überzeugung: Es gibt viele Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt, die ihre Erfüllung in der Beschäftigung mit Kunst und Kultur finden. Auch deswegen haben die Kulturschaffenden die Wertschätzung des Oberbürgermeisters verdient.
7. Bamberg und der Sektor Kulturwirtschaft – kann sich aus Ihrer Sicht Bamberg innerhalb der Metropolregion Nürnberg damit profilieren?
In jedem Fall. Bamberg hat viel zu bieten. Bamberger Symphoniker – Bayerische Staatsphilharmonie, Internationales Künstlerhaus Villa Concordia, E.T.A. Hoffmann Theater und eine europaweit einzigartige Konzentration im Kunst- und Antiquitätenmarkt. Die Metropolregion Nürnberg möchte sich übrigens gemeinsam als Kulturhauptstadt Europas bewerben. Erste Vorgespräche sind gelaufen. Bamberg gilt dabei als Perle in der Metropolregion. Unsere kulturelle Vielfalt wird die Metropolregion bereichern.
8. Welche Nutzung schlagen Sie für das alte Hallenbad vor?
Ich hoffe, dass unsere Pläne, die Universität dort unterzubringen, erfolgreich sein werden.
9. Wie wollen Sie Bamberg-Ost kulturell aufwerten?
Kunst im öffentlichen Raum würde Bamberg-Ost aufwerten: Alle Plätze und öffentlichen Anlagen sollten überprüft werden, ob sie als Ausstellungsfläche herangezogen werden können. Insbesondere lokale Künstler sollten die Chance erhalten, ihre Werke zu präsentieren.
Eine wesentliche Säule ist für mich das Stadtteilmanagement im Malerviertel. Die Kulturen anderer Nationen fließen dort ein. Ich will mithelfen, dass in diesem Stadtteilbüro Kulturarbeit auch in Zukunft stattfinden wird.
Die Universität und eine private Hochschule in Bamberg-Ost sollten stärker als Partner für die Kulturarbeit gewonnen werden. Den städtischen Beitrag sehe ich in der Bereitstellung von Infrastruktur und Öffentlichkeitsarbeit.
Die neue Volksparkgaststätte, die im Frühjahr 2012 eröffnet werden soll, bietet eine wunderbare Gartenfläche. Ich schlage vor, dass dort ein regelmäßiges Kulturprogramm aufgelegt wird mit Jazzfrühschoppen, Lesungen, Freilichtveranstaltungen etc..
10. Welchen kulturellen Stellenwert haben die Bamberger Gärtner für Sie?
Die Bamberger Gärtner sind unser immaterielles Welterbe. Heute tragen sie zu Bambergs Lebenskultur bei. Ich freue mich darüber, dass die Bamberger Gärtnertraditionen im Zuge der Landesgartenschau erlebbar werden.
Das Gärtner- und Häckermuseum wird ab April 2012 im neuen Glanz erstrahlen. Mit zusätzlichen Führungen soll der kulturelle Stellenwert der Bamberger Gärtnerschaft unterstrichen werden. Wir haben die Verpflichtung, die Jahrhunderte alten Gärtnerstrukturen zu erhalten. Sie sind von jeglicher Bebauung freizuhalten.
Antworten W. Grader:
1. Was schätzen Sie an der zeitgenössischen Kunst?
Sie ist eine kritische Herausforderung an den Zeitgeist.
2. Wie sehen Sie die Zukunft des Kesselhauses?
Es gibt für die Idee des KunstHauses Kesselhaus eine engagierte Bürgerschaft, die dieses Projekt auf den Weg gebracht hat und auch weiter verfolgt. Bamberg braucht einen Platz für moderne Kunst, für Kunstausstellungen und Kunstdialog.
Daher sollten zeitnah der Kunstverein, engagierte BürgerInnen und politische Entscheidungsträger zusammen kommen und Strategien und Konzepte entwickeln, wie Moderne Kunst in Bamberg, vielleicht im Kesselhaus, verankert werden kann.
Die Zukunft der Villa Dessauer ist in dieser Thematik ebenfalls mit einzubeziehen.
3. Welche Ausstellung in Bamberg hat Sie 2011 besonders beeindruckt?
Anke Armandi „Ihre Welt“ – Villa Dessauer
4. Finden Sie die Kunstvermittlung an den Bamberger Museen als ausreichend?
Die Museumspädagogik muss weiter ausgebaut werden.
5.Was halten Sie vom Pilotprojekt Kultur.Klassen?
Das beste Projekt des Kulturamtes seit Jahren. Kultur.Klassen muss sich verstetigen und in Bamberg Bestandteil der Kulturpolitik bleiben.
6. Warum sollten Sie die Kulturschaffenden Bambergs zum OB wählen?
Kultur ist nicht die Würze des Leben, sie ist das Leben. Es ist das, was die Atmosphäre, den Flair, die Schönheit Bambergs ausmacht. Es ist das, warum die Menschen hier so gerne leben und so gerne kommen. Es ist das, was für mich brennt und mich in meiner Arbeit bewegt.
7. Kann Bamberg im Bereich der Kulturwirtschaft sich innerhalb der Metropolregion Nürnberg positionieren?
Das ist keine Frage des Könnens, sondern eine des Wollens. Hier herrscht großer Handlungsbedarf seitens Bambergs.
8. Welche zukünftige Nutzung wünschen Sie sich für das alte Hallenbad?
Ein universitäre Lösung wäre sicherlich die Idealste. Nicht nur hinsichtlich der Finanzierung, sondern vor allem zur Festigung des UNI-Standortes Bamberg.
Eine große Kunsthalle mit Möglichkeiten für Performances und Ausstellungen wäre sicherlich ein Traum vieler Kunstschaffender, bräuchte aber ein gutes Finanzkonzept, damit die Kosten nicht zum Albtraum werden.
9. Wie wollen sie Bamberg-Ost kulturell aufwerten?
Trotz Uni-Feldkirchenstraße ist es nicht gelungen, studentisches Leben und die dazugehörige Vielfalt (Kleinkunst) in die östlichen Stadtgebiete zu bringen. Es reicht eben nicht, nur Gebäude hinzusetzen und der Rest kommt von alleine.
Bamberg-Ost entwickelt sich immer mehr zur Sportstadt (Fußball, Bad, Volksstadion,…). Dieses Profil gehört sicherlich geschärft und hervorgehoben.
Ich glaube aber dennoch, dass Bamberg-Ost mehr künstlerische Möglichkeiten hat, als es sich derzeit zeigt. Was versteht ihr unter:
Ostival-Bamberg,
Klassik im Park,
Der Ring der Bamberger,
Jenseits vom Dom – Diesseits im Leben,
….
10. Welchen kulturellen Stellenwert haben die Bamberger Gärtner für Sie?
Bamberg ist Gärtner- und Häckerstadt. Das gehört zur kulturellen Identität / zum Welterbe dieser Stadt. Somit ist der Stellenwert der Gärtner für mich sehr hoch. Die Gärtner sind nicht nur Vergangenheit und Gegenwart, sondern haben auch eine Zukunft
Die Fragen und Antworten führten zu heißen Diskussionen.